Fleischereien haben Umsetzungsprobleme
mit neuen EU-Auflagen
Fakt ist, dass Fleischereibetriebe durch das
seit 2006 gültige neue Hygienerecht bis spätestens Ende 2009
eine EU-Zulassung benötigen, die spezielle Anforderungen an
Betriebsorganisation, -abläufe und Dokumentation stellt. Davon
ausgenommen sind Betriebe nur, wenn sie keine eigene Schlachtung
haben, maximal ein Drittel ihrer Produktion an andere Betriebe
oder Filialen liefern und keine Lieferungen über einen Radius
von 100 km hinaus vornehmen. „Wenn es in der Vergangenheit
Probleme mit dem Verbraucherschutz gegeben hat, dann ging das
ausschließlich von Großbetrieben aus. Unsere handwerklichen
Fleischereien sind nun die Leidtragenden, weil Auflagen gemacht
werden, die für Kleinbetriebe unsinnig sind“, betonte
Kammerpräsident Schmidt in seiner Begrüßung.
Von 300 Fleischereien (ohne Nebenbetriebe)
müssten 180 Betriebe die neue EU-Zulassung erwerben. Bei rund
100 Betrieben ist eine Aufgabe des Schlachtbetriebes
wahrscheinlich, da Investitionen zu hoch wären. Damit seien laut
Berechnungen der Handwerkskammer 630 Arbeitsplätze im
Kammerbezirk bedroht.
"Wir möchten gerne weiter schlachten, doch dies
wird uns nicht mehr möglich sein. Die hohen Investitionskosten
sind für uns existenzbedrohend. Wir stellen die meisten
Auszubildenden, wir haben schon viel investiert und wir sind
finanziell nicht mehr in der Lage, die neue EU-Verordnung
umzusetzen", brachte Elena Hilsen, Obermeisterin der
Fleischerinnung Lüneburg, die Problematik auf den Punkt. Sie und
ihre Handwerkskollegen fordern eine mögliche Unterstützung durch
die Politik, insbesondere in Richtung mittelstandsgerechte
Ausgestaltung der Vorschriften und finanzielle Förderung von
erforderlichen Investitionen zur Umsetzung der Anforderungen.
Die Fleischer rechnen mit 30.000-80.000 Euro Kosten pro
Schlachterei für entsprechende Umbauten. Geld, das die wenigsten
von ihnen haben. Hanstedt stärkte ihnen den Rücken: "Die
Supermärkte haben damit keine Probleme, aber unseren Betrieben
fehlt einfach das Geld dazu." In der Diskussion wurde deutlich,
dass insgesamt eine große Unsicherheit bestehe – gerade auch bei
den Veterinärverwaltungen. In Niedersachsen ist für die
Zulassung das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz
und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg (LAVES) zuständig, das
mit den Kreisveterinären zusammenarbeitet. "Der
Informationsstand der Veterinäre ist schlecht. Sie wissen nicht,
was definitiv gefordert wird. Die Kommunikation zwischen dem
LAVES und den Kreisveterinären muss verbessert werden", so
Volker Sielaff vom Fleischerverband. Hanstedt schlug vor, im
Ministerium eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung ausgewählter
Obermeister einzurichten, damit auch der Sachverstand aus der
betrieblichen Praxis einfließen könne.
Althusmann, der sich bei Landwirtschaftsminister
Ehlen für seine Bereitschaft zur Diskussion bedankte, verwies
auf die Sensibilität der Öffentlichkeit: "Alles, was mit
Verbraucherschutz und Hygienevorschriften zu tun hat, ist ein
sehr emotionales Thema. Wir nehmen uns aber gerne Ihrer Sorgen
und Nöte an". Auch Ehlen bestätigte: "Mit der Problematik und
wie sie zu lösen ist, müssen wir uns befassen". Eine finanzielle
Förderung sei grundsätzlich schwierig, wenn es um die Einhaltung
gesetzlicher Vorgaben gehe. Der CDU-Politiker machte aber
zumindest etwas Hoffnung und verwies auf zwei mögliche
Förderschienen: den EFRE-Fonds der EU und das
Agrar-Kredit-Programm des Landes. "Wer am Markt bleiben will,
kommt um die Investitionen nicht herum." Dem Gedanken, die
Hygienestandards auf den Prüfstand zu stellen, erteilte der
Minister eine Absage: "Die EU hat hier Vorgaben gemacht.